My Halloween Suicide
Mein Halloween-Nachtdienst wird mir wohl für immer in Erinnerung bleiben. Wir waren an diesem Abend zwei Autos, meines war mit einem hauptberuflichen Fahrer, einem Zivi und mir besetzt. Nach 21 Uhr beschlossen wir, noch etwas zum Essen zu bestellen bevor die Pizzeria schließt. Doch kurz darauf klopft das Schicksal an:
NOTFALL: Holzmann männl 42j – Thayapark 41, Rottau – Suizidversuch durch erhängen
Verdammt, mein erster Suizid. Also rein ins Auto und ab nach Rottau, und zwar in den hintersten Winkel. Gute 15 Minuten dauert die Anfahrt im Normalfall, wir waren sicher ein gutes Stück schneller. Das seltsame auf so einer Fahrt die völliges Neuland ist für mich ist die Angst die ich da manchmal habe wenn wir unterwegs sind zum Notfallort. Weil ich nicht genau weiß was mich erwartet, obwohl ich ja weiß was zu tun ist. Unterwegs stieg bei uns ein Praktiker zu, da der NAW noch weitere 10-15 Minuten brauchen würde.
Am Notfallort angekommen war die Angst weg, jetzt war nurnoch Aufregung da. Vorm Haus warteten viele Menschen, verzweifelt, weinend, die Details sind verschwommen weil wir die Geräte nahmen und einer Person die uns den Weg zeigte nachliefen. Zeitgleich trafen zwei First Responder ein (auf deutsch: zu spät trafen zwei First Responder ein ;P ). In der Küche des Hauses lag der Mann am Boden, vom Kopf aufwärts zyanotisch. Seine beiden Nachbarn waren über ihm mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beschäftigt. Sie wurden von uns abgelöst. Das EKG zeigte nach dem Anschließen aber bereits eine Null-Linie. Die Küche wurde geräumt, sodass nurmehr wir, die First Responder, der Praktiker und ein Nachbar drinnen waren. Zugang legen. Adrenalin. Intubieren. 300 Joule. Die Null-Linie blieb die ganze Zeit, da konnten weder Adrenalin noch verzweifelte Schüsse mit dem Defigard etwas daran ändern. Unsere Maßnahmen wurden schließlich vom eingetroffenen Notarzt-Team unterstützt, doch nach insgesamt 40 Minuten Reanimation wurde abgebrochen. Laut dem Nachbarn könnte der Patient schon über eine Stunde gehängt sein bevor er von ihm heruntergeschnitten wurde.
Als der Arzt den Raum verließ und der Frau des Mannes und dessen 8 (!) Kindern die schlimme Nachricht überbrachte kam der schlimmste Teil des Einsatzes, das Schreien, Kreischen, Weinen der Familie. Die Reanimation selbst wird ja 100 Mal geübt und ist eigentlich eine Routinetätigkeit bei der man nicht viel überlegen muss. Aber auf das danach wird man nicht vorbereitet. Bevor wir fuhren wurde für die neunköpfige Familie Krisenintervention angefordert. Die Mutter, bzw Gattin des Patienten wurde zur Sicherheit in eine Klinik eingewiesen, da einerseits sie sich die Schuld für den Tod ihres Mannes gab, und andererseits ihre Töchter rasend vor Wut auf sie waren, weil sie ihr auch die Schuld gaben.
Es gibt nichts schlimmeres, als kreischende Angehörige.
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