Sonntagmorgen, NACA VII

Hinweis: Der Artikel beschreibt meine erste Reanimation. Du musst das nicht lesen!

Eigentlich hätte es ja ein gemütlicher letzter Sonntagsdienst vor meinem Urlaub sein sollen. Dienstbeginn um 7 Uhr, wir sitzen gemütlich im Aufenthaltsraum und unterhalten uns mit dem Nachtdienst. Mein Fahrer, es ist bekannt, dass er nicht der qualifizierteste ist ( :-( ) kommt plötzlich aus dem Journalraum gerannt „Wir bekommen gleich eine Fahrt, ein Bewusstloser!“. Es passiert immer wieder, dass sich Leute nicht trauen den Notruf 144 anzurufen und stattdessen direkt bei uns auf der Dienststelle anrufen – wir müssen den Anrufer dann an unsere Leitstelle verbinden. Dort wird die Fahrt aufgenommen und an ein Funkgerät geschickt.

Dann, um 7:35 schließlich meldet sich mein Handfunkgerät: NFSS/Müller männl//Sandleitengasse 35/Gräbern/77J/Krebspatient/Bewusstlos/->/////
Also rein ins Auto und auf gehts – auf der Hinfahrt teilt uns die Leitstelle mit, dass ein Praktiker und der NAH (Notarzthubschrauber) kommen.

Am Notfallort wartet eine verzweifelte Frau vor dem Haus. Ich nehme Defi und Sauerstoffkoffer und folge der Frau in das Haus. „Schauen Sie ihn sich an, ich weiß nicht was ich tun soll.“ Sie deutet auf das WC. Ihr Mann sitzt/hängt am (unglaublich engen) WC. Ich führe den Notfallcheck durch: der Patient reagiert nicht auf ansprechen und auch nicht auf einen starken Schmerzreiz. Das Pulsoxy zeigt SpO2 56%. Ich versuche den Patient vom WC herunterzubekommen -keine Chance in diesem engen Raum wenn jegliche Muskelspannung fehlt. Mein Fahrer ist nicht auffindbauer, allerdings kommt die Polizei und ist mir behilflich.

Die Defipads werden aufgeklebt und die Reanimation wird begonnen. Wieder muss ich alleine 30 Herzdruckmassagen und 2 Beatmungen mittels Ambubeutel durchführen, da mein Fahrer irgendwo zwischen Auto und Haus unterwegs war. Nach den ersten beiden Analysen empfiehlt der Defi immer noch keinen Schock. Der Praktiker trifft ein und versucht erfolglos zu intubieren. Er gibt über 15 Minuten verteilt zweimal Adrenalin. Nach dem 1. Mal tritt Kammerflimmern auf und der Defi schockt, nach dem 2. Mal hat der Patient kurzfristig eine Herzfrequenz von 60, die allerdings in eine Asystolie übergeht.

Der Notarzt vom Hubschrauber trifft ein (der NAH musste zwei Kilometer vom Haus landen, die Crew wurde von der Polizei hergebracht) und intubiert. Der Notarzt intubiert und wir setzen die Reanimation gemeinsam im Verhältnis 10:2 fort. Nach 10-15 Minuten beschließen Notarzt und Praktiker aber (nach etwa 40 Minuten Reanimation) abzubrechen.

Verarbeitet habe ich meine erste Reanimation erst in den Tagen danach. Es war ein erster kleiner Schock, den Patienten nicht, wie in allen Übungen gelernt, liegend sondern am WC sitzend aufzufinden. Unvergessen wird wohl die verzweifelte Aussage der Ehefrau bleiben, als wir ihren Mann aus dem WC geborgen hatten: „Sagen Sie mir nichts schlimmes!“. Als Sanitäter muss man immer auf alles vorbereitet sein und auch mit allem rechnen. Aus einen bewusstlosen Notfallpatienten kann schnell eine Reanimation werden. Und auch, wenn man momentan oft überfordert ist sollte man daran denken, dass man für die Menschen die einen gerufen haben die große Hoffnung ist, die Rettung eben. Als Sanitäter hat man Verantwortung.

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