Schneller als gedacht kam er, mein letzter Dienst als Zivildiener. Es war ein Nachtdienst, also wenn alles gut gehen würde würde ich nicht einmal eine Ausfahrt haben.
Denkste. Bereits um dreiviertel acht die erste Fahrt:
NFSS//Kortig weibl/Reischauergrund 48/Buchen/Bewusstlos, Diabetikerin/->//////
Verdammt dachte ich mir, Bewusstlos riecht für mich sehr nach Reanimation, und dass sie Diabetikern ist hat mich ebenfalls nicht begeistern können. Ich werde doch nicht in meinem letzten Dienst noch eine Reanimation haben? Am Weg nach Buchen erfahren wir auch, dass der Notarzt (Anfahrtszeit 15 Minuten) alarmiert wurde. Okay. Am Notfallort schnappte ich Defi und Koffer und rannte ins Haus, während mein Fahrer das Auto einparkte.
Die Frau war knapp über vierzig, eiskalt und leichenblass. Ansprechen, Berühren, Schmerzreiz setzen machte ich der Form halber, im Augenblick war ich eher erleichter, dass sie tatsächlich Atmung – wenn auch nicht ausreichend – hatte. Am Tisch war etwas, dass wie angetrockneter Kaffeesatz aussah, anscheinend war es aber erbrochenes. Ihr Mann war im Spital wegen einer Operation, deshalb war sie alleine daheim. Ein Verwandter hatte rein zufällig beschlossen sie zu besuchen und daher Gott sei Dank gefunden. Niemand wusste, wie lang sie schon so dalag.
Wir klebten Defi-Elektroden und maßen einen Puls von 30 Schlägen/Minute. Die Sauerstoffsättigung war um die 80% und damit ebenfalls niedrig. Während ein gesunder Mensch dreimal atmete atmete die Dame nur einmal. Probleme allerdings hatten wir beim Zuckermessen, da unser Zuckermessgerät keinen Wert ausgab. Nach drei Versuchen traf der Notarzt ein, der ebenfalls kein Glück mit seinem Gerät hatte. Der Verdacht daher war, dass die Patientin Hyperglykämie hatte, also überzuckert war und die Zuckermessgeräte ihren hohen Wert nicht mehr messen konnten. Trotzdem konnten wir ohne Zuckerwert weder Glucose noch Insulin geben.
Die Notärztin intubierte die Patientin, gab dazu einmal Dormicum und einmal Arenalin, was die Herzfrequenz um etwa 10 Schläge/Minute steigen ließ. Danach verluden wir Frau Kortig und der NAW brachte Sie ins LKH Linz.
Anschließend beruhigte ich noch den Verwandten der sie aufgefunden hatte, da dieser sehr mitgenommen war. Ob die Patientin überlebt hat oder nicht ist mir nicht bekannt.
Nach nur einer Stunde auf der Dienststelle die nächste Fahrt, und wieder ein Notfall: Schlaganfall? Die Patientin war vom Hausarzt bereits erstversorgt worden, wir fuhren nicht einsatzmäßig weiter ins nächstgelegene Krankenhaus.
Meine letzte Fahrt als Zivildiener dann um zwei in der Nacht, eine Frau mit Verdacht auf eine Thrombose im Arm wollte von uns ins Krankenhaus gebracht werden. Zwar war sie knapp über vierzig, genauso wie ihr Lebensgefährte der mitfuhr, und außerdem voll und ganz gehfähig. Nun, Geld für den Transport haben sie sicherlich genug – denn Krankenkassen zahlen, außer bei Auktfällen, den Transport gehfähiger Menschen, noch dazu ohne ärztliche Einweisung nicht.
Mit dieser Fahrt war mein Zivildienst beendet. Traurig? Froh? Jetzt Freiwilligkeit? Das wird ein Thema der nächsten Wochen sein.
